Contemporary Ruins (solo)

Soloshow

Technische Universität Darmstadt
Fachbereich Architektur, Fachgebiet Bildnerisches Gestalten, Galerie Parkhaus

www.architektur.tu-darmstadt.de


© Karwath+Todisko, VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Fotos: Kai Altheim

DE In ihrer Serie „Contemporary Ruins“ arbeitet Karwath & Todisko mit Fotografien, die auf Reisen und an ihrem Wohnort entstanden. Aufbauend auf der bewussten Wahrnehmung ihrer gebauten Umwelt und des damit einhergehenden genauen Beobachtens der Gebäude, stellt sie bauliche Elemente aus Fotokopien frei und fügt diese in kompositorischer Klarheit zu Collagen zusammen. Mittels Zeichnung verbindet sie einzelne fotografische Elemente und hebt durch diesen zeichnerischen Eingriff konstruktive Elemente sowie Gebäudeformen hervor. Darüber hinaus nutzt sie unterschiedliche Schwarzweiß Abstufungen als gestalterisches Mittel, indem sie die Ästhetik älterer Fotoabzüge genauso wie den Glanz der Bleistiftoberfläche einsetzt.
In ihre Collagen überträgt sie die Gebäudeteile, wie sie ihr in fragmentarischer Weise begegnen – die Ursache dieser Fragmentierungen sind dabei vielfältig: Verfall, Abriss, Neubauprozesse und die anhaltenden Spuren von Krieg. Während Kriegsruinen von radikaler Zerstörung zeugen, verweisen Verfall und Abriss auf ökonomische Umbrüche und soziale Aspekte. Im Fokus steht auch der Moment des Bauens selbst, in dem Gebäude bereits als brüchig und unfertig erscheinen. Ihre Perspektive knüpft an frühere Arbeiten wie die Serie „Heritage“ an, die sich mit dem Einfamilienhausbau der Nachkriegszeit auseinandersetzt. Die Baustelle wird dabei als Ausdruck gesellschaftlicher Zustände lesbar – als Ort zwischen Aufbruch und Zerstörung.

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EN In their series “Contemporary Ruins”, Karwath & Todisko work with photographs taken whilst travelling and in their home town. Drawing on their conscious perception of their built environment and the resulting close observation of buildings, they isolate architectural elements from photocopies and assemble them into collages with compositional clarity. Through drawing, she connects individual photographic elements and, by means of this graphic intervention, highlights structural elements and building forms. Furthermore, she employs various shades of black and white as a creative tool, utilising the aesthetics of older photographic prints as well as the sheen of the pencil surface.
In her collages, she incorporates building elements as they appear to her in a fragmentary manner – the causes of this fragmentation are manifold: decay, demolition, new construction processes and the enduring traces of war. Whilst war ruins bear witness to radical destruction, decay and demolition point to economic upheavals and social aspects. The focus is also on the moment of construction itself, when buildings already appear fragile and unfinished. Her perspective builds on earlier works such as the ‘Heritage’ series, which explores post-war single-family home construction. The building site can thus be read as an expression of social conditions – as a place between new beginnings and destruction.

Neckermann (solo)

Die Bäckerei, Darmstadt 2025

Soloshow

https://www.instagram.com/die_baeckerei_darmstadt/


© Karwath+Todisko, VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Fotos: Moritz Bernoully

DE
Die in dieser Ausstellung gezeigten Collagen und Kopierarbeiten aus einem Neckermann-Fertighauskatalog wirken auf den ersten Blick wie Relikte einer vergangenen Utopie: standardisierte Eigenheime als Versprechen von Sicherheit, Privatheit und sozialem Aufstieg. In ihrer seriellen Klarheit und funktionalen Ästhetik spiegeln sie die Logik einer Zeit, in der Wohnraum als planbares Gut gedacht wurde – rational, reproduzierbar, zugänglich. Doch diese vermeintliche Zugänglichkeit war nie unschuldig.

Das Unternehmen von Josef Neckermann wuchs nicht nur im Kontext des westdeutschen Wirtschaftswunders, sondern gründet auch auf einer gewaltsamen Vorgeschichte: der systematischen Enteignung jüdischer Unternehmer im Nationalsozialismus. Diese Enteignung ermöglichte die Expansion eines Versandhandels, der später genau jene Waren – und eben auch Häuser – anbot, die das Bild einer demokratisierten Konsumgesellschaft prägten. Die Fertighäuser erscheinen so als doppelt codierte Objekte: einerseits Symbole für Teilhabe, andererseits eingebettet in eine Geschichte ökonomischer Ungleichheit und moralischer Verdrängung.

Heute, in einer Zeit akuter Wohnungsnot, gewinnen diese Bilder eine neue Dringlichkeit. Der Wohnungsmarkt ist extrem kapitalisiert; Wohnraum fungiert als Anlageprodukt, nicht als soziale Infrastruktur. Was einst als seriell produzierbare Lösung für breite Bevölkerungsschichten propagiert wurde, steht nun im Kontrast zu einer Realität, in der bezahlbarer Wohnraum zur Ausnahme wird. Die standardisierte Verfügbarkeit ist einer spekulativen Verknappung gewichen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich unweigerlich die Frage nach der moralischen Dimension dieser Entwicklung. Wohnen ist kein Luxusgut, sondern ein fundamentales menschliches Bedürfnis. Die Transformation von Wohnraum in ein primär renditeorientiertes Gut verschiebt die Prioritäten einer Gesellschaft – weg von Versorgung und hin zu Verwertung. Diese Verschiebung ist nicht neutral; sie produziert Ausschlüsse, verstärkt Ungleichheiten und untergräbt soziale Stabilität.

Indem wir diese Bilder heute betrachten, sind wir aufgefordert, nicht nur zurückzublicken, sondern auch die Gegenwart zu befragen: Wem gehört der Raum, in dem wir leben? Und unter welchen Voraussetzungen wird er zugänglich gemacht?

EN
The images from a Neckermann prefabricated house catalogue featured in this exhibition appear, at first glance, like relics of a bygone utopia: standardised homes as a promise of security, privacy and social advancement. In their serial clarity and functional aesthetics, they reflect the logic of an era in which housing was conceived as a plannable commodity – rational, reproducible, accessible. Yet this supposed accessibility was never innocent.

Josef Neckermann’s company not only grew in the context of the West German economic miracle, but is also founded on a violent history: the systematic expropriation of Jewish entrepreneurs under National Socialism. This expropriation
enabled the expansion of a mail-order business that later offered precisely those goods – and indeed houses – that shaped the image of a democratised consumer society. The prefabricated houses thus appear as doubly coded objects: on the one hand symbols of participation, on the other embedded in a history of economic inequality and moral repression.

Today, at a time of acute housing shortage, these images take on a new urgency. The housing market is extremely capitalised; housing functions as an investment product, not as social infrastructure. What was once promoted as a mass-producible solution for broad sections of the population now stands in contrast to a reality in which affordable housing is becoming the exception. Standardised availability has given way to speculative scarcity.

Against this backdrop, the question inevitably arises as to the moral dimension of this development. Housing is not a luxury good, but a fundamental human need. The transformation of housing into a primarily profit-oriented commodity shifts the priorities of a society – away from provision and towards exploitation. This shift is not neutral; it creates exclusion, exacerbates inequalities and undermines social stability.

As we view these images today, we are called upon not only to look back, but also to question the present: Who owns the space in which we live? And under what conditions is it made accessible?

alpha_alpha (artist-curator)

Das Künstlerduo alpha_alpha wird für drei Wochen als Artists-in-Residency das LEW1 auf der Rosenhöhe beziehen. Gemeinsam werden sie eine Vielzahl sensorischer Phänomene und Perspektiven erforschen, das LEW1 wird hierbei in eine temporäre Sammlung von Informationen und Wissen verwandelt. Im Laufe der Wochen wird ausgewählte Information in ein sich entwickelndes Set aus Klängen, Wellenlängen, Farben und Lichtprojektionen transformiert. Die Ergebnisse dieser laufenden Recherche werden bei zwei Open Studio Events mit begleitenden no-bpm DJ-Sets präsentiert. Den Abschluss bildet eine Veranstaltung mit einer Live-Performance.

Open Studio-Teil 01
Sonntag, 09.11.2025
13:00h – 18:00h
mit begleitendem no-bpm DJ-Set von Simon Doerken (16:00 – 18:00 Uhr)

Open Studio-Teil 02
Sonntag, 16.11.2025
13:00h – 18:00h
mit begleitendem no-bpm DJ-Set von Even Tuell (15:00 -18:00 Uhr)

Abschlussveranstaltung
Samstag, 22.11.2025
15:00h – 20:00h
mit Live-Performance von blackbody_radiation + visuals
(18:30 – 19:30 Uhr)

https://alpha-alpha.xyz/

FRNHFR (in situ, Wettbewerbsbeitrag)

Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Nürnberg 2023

Kunst am Bau, Teilnahme am eingeladenen Wettbewerb, Wettbewerbsbeitrag, Wandrelief im Vortragssaal des Institutsteils Navigation und Ortung LOK

FRNHFER, 2023, Wandcollage, Prints auf Alu-Verbundplatten, Aluminiumstreben, 375 cm x 573 cm x 12 cm, Visualisierung


FRNHFER, 2023, Wandcollage, Prints auf Alu-Verbundplatten, Aluminiumstreben, 375 cm x 573 cm x 12 cm, Visualisierung im Raum


FRNHFER, 2023, Wandcollage, Prints auf Alu-Verbundplatten, Aluminiumstreben, 375 cm x 573 cm x 12 cm, Visualisierung im Raum

Erläuterung und Begründung des Entwurfskonzepts
Als Ort für meinen Wettbewerbsbeitrag habe ich die große Wand im Vortragssaal gewählt. Mein Entwurf ist eine collagierte, reliefartige Wandarbeit.
Die Collage ist aus verschiedenen Oberflächen von Forschungsräumen aus den 50er Jahren zusammengesetzt. Es handelt sich um drei verschiedene Fliesenbeläge und eine Wandverkleidung. Die Oberflächen entstammen Forschungspublikationen aus dieser Zeit und verweisen so auf die Gründungszeit der Fraunhofer Gesellschaft 1949, sowie die Zeit der ersten Institutsgründungen ab 1954. Um den konkreten Forschungsinhalt des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen im Entwurf zu berücksichtigen, habe ich über das Leibniz- Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften Universitätsbibliothek aktuelle Forschungsberichte eingesehen. Auffällig ist hier das lockere Nebeneinander von Fotografien, Grafiken, Koordinatensystemen usw.
Die grafischen Linien, die sich technoid über die Collage spannen, verweisen assoziativ auf diese aktuellen Forschungsberichte. Außerdem werden architektonische Elemente aus dem Institutsgebäude optisch aufgenommen: Der Betonwerkstein aus dem Foyer kommt als Print ebenso vor, wie die vertikalen Linien der dunklen Fensterzargen.
Es handelt sich bei der Wandcollage um einzeln montierte Alu-Verbundplatten, die teilweise übereinander angeordnet sind. Bei den schwarzen Linien handelt es sich um Aluminiumprofile, die in verschiedenen Abständen zur Wand angebracht sind.

Father (online screening)

Online screening auf der Webseite der Galerie L187

LINK ZUM Excerpt

1. Dezember 2022 – 15. Januar 2023, 16:00 Uhr


Father, 2022, 4K Video, 19:20 min, Farbe, Ton, Videostill.

DE

Eingreifen, reduzieren, abstrahieren – Karwath+Todisko arbeitet stets mit dem Raum. Dabei setzt sich die Künstlerin auf inhaltlicher Ebene unter anderem mit privaten Familienverhältnissen auseinander. Sie befasst sich mit Lebensrealitäten sowie zwischenmenschlichen Beziehungen und trifft dabei auf Verhaltensmuster, deren Kausalzusammenhänge erforscht werden wollen. Wo Ursache und Wirkung liegen, ergründet die Künstlerin durch die Dekonstruktion der jeweiligen Strukturen. In diesem Zusammenhang setzt sich Karwath+Todisko besonders mit dem Leben ihrer Eltern auseinander.

Die Videoarbeit „Father“ eröffnet einen Einblick in das Kindheitserleben des Vaters während des Zweiten Weltkrieges, der sich seit seiner frühesten Kindheit für Eisenbahnen begeistert. Aus dieser Faszination heraus begann er ein fotografisches Trainspotting-Archiv zu führen, das in Auszügen als Diashow in der Videoarbeit zu sehen ist. Gleichzeitig werden Passagen aus einem gemeinsamen Gespräch als Voice- Over eingespielt, worin der Vater vor allem über seine Kindheit, den Krieg sowie die Beziehung zu seinem Vater spricht. Subtil tritt dabei die Widersprüchlichkeit seiner Erinnerungen zutage. Fotografien und Erinnerungsgegenstände fungieren in diesem Zusammenhang als wichtige Stützen zur Rekonstruktion von Erlebtem. Entgegen dem Impuls zu beschönigen und zu verschleiern, legt Karwath+Todisko bewusst offen, dass ihr Großvater Mitglied der NSDAP war. Damit wirkt sie sowohl der Scham als auch dem Stigma entgegen, das bei solch einer Veröffentlichung befürchtet werden könnte. Vor allem geht es aber darum, das subjektive Erleben und die individuelle Erinnerungskultur im Bezug auf den Nationalsozialismus und die Kriegsjahre zu erörtern und gegen ein Vergessen anzukommen.

 

EN

Intervention, reduction, abstraction – for Karwath+Todisko, spatial parameters determine the work. In terms of subject matter, the artist is also concerned with personal relationships within her family. She deals with the actualities of life as well as interpersonal relationships and in doing so encounters patterns of behaviour whose causal connections want to be explored. By deconstructing the respective structures, the artist explores their cause and effect. In this context, Karwath+Todisko deals specifically with the lives of her parents.

The video piece “Father“ allows an insight into the childhood experience of her father during the Second World War, who has been fascinated by trains since his earliest childhood. From this fascination, he began to keep a photographic trainspotting archive, excerpts of which are presented as a slide show in the video. At the same time, segments of a conversation between the two are played as a voice-over, in which the father speaks primarily about his childhood, the war and the relationship to his own father. In the process the ambiguity of his memories is subtly revealed. Photographs and mementos function as important aids in the reconstruction of his experiences. Contrary to the impulse
to sugarcoat and conceal her family‘s history, Karwath+Todisko consciously discloses that her grandfather was a member of the NSDAP (National Socialist German Workers’ Party). In doing so, she acts against both the shame and the stigma that might be feared from such a public revelation. Above all, however, her goal is to address subjective experiences and the individual forms of remembrance in relation to National Socialism and the war years, and to fight against forgetting.

Text: Lucy Nixon & Vivien Kämpf

Das Projekt Father wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Karwath+Todisko wird durch das Hessische Atelierprogramm gefördert.

Father (solo)

saasfee*pavillon, Frankfurt 2022

Soloshow

www.saasfee.de


Heritage 12, 2021, Collage; Family Curtain 3, Installation, Ausstellungsansicht


Heritage 12, 2021, Collage; Family Curtain 3, Installation, Ausstellungsansicht


Family Curtain 3, Detail, 2022, Installation, Vorhangstoff, Vorhangschiene, Leuchtstoffröhren, Holzblende, Metallwinkel, 240 cm x 260 cm 24 cm


Herited 1-3, 2021-22, Collagen; Heritage 12, 2021, Collage, Ausstellungsansicht


Father, 2022, HD Video, Farbe, Ton, 19:20 min; Bedside Table (Father), 2022, Installation, Ausstellungsansicht


Bedside Table (Father), 2022, Installation, Nachtisch aus lackiertem und furniertem Holz, Spiegel, Holzplatte, 61 cm x 90 cm x 42 cm                 Fotos: Moritz Bernoully

DE
Eingreifen, reduzieren, abstrahieren – Karwath+Todisko arbeitet stets mit dem Raum. Dabei setzt sich die Künstlerin auf inhaltlicher Ebene unter anderem mit privaten Familienverhältnissen auseinander. Sie befasst sich mit Lebensrealitäten sowie zwischenmenschlichen Beziehungen und trifft dabei auf Verhaltensmuster, deren Kausalzusammenhänge erforscht werden wollen. Wo Ursache und Wirkung liegen, ergründet die Künstlerin durch die Dekonstruktion der jeweiligen Strukturen. In diesem Zusammenhang setzt sich Karwath+Todisko besonders mit dem Leben ihrer Eltern auseinander.
So widmete sich die Ausstellung „Heritage” (L187 Offenbach, 2020) der Beziehung zwischen der Künstlerin und ihrer Mutter, wohingegen „Father” (saasfee*pavillon, 2022) besonders in das Kindheitserleben des Vaters während des Zweiten Weltkrieges sowie in die Beziehung zu seinem eigenen Vater eintaucht.
Im ersten Schritt vollzieht Karwath+Todisko eine räumliche Rekonstruktion, indem sie Möbel des Elternhauses in den Ausstellungsraum platziert. Alltagsgegenstände, die zu Berührungsreliquien werden und das Private in den öffentlichen Raum versetzen. Im zweiten Schritt eröffnet die titelgebende Videoarbeit „Father” einen Einblick in die Gedankenwelt ihres Vaters, der sich seit seiner frühesten Kindheit für Eisenbahnen begeistert. Aus dieser Faszination heraus begann er ein fotografisches Trainspotting-Archiv zu führen, das in Auszügen als Diashow in der Videoarbeit zu sehen ist. Gleichzeitig werden Passagen aus einem gemeinsamen Gespräch als Voice-Over eingespielt, worin der Vater vor allem über seine Kindheit, den Krieg sowie die Beziehung zu seinem Vater spricht. Subtil tritt dabei die Widersprüchlichkeit seiner Erinnerungen zutage. Fotografien und Erinnerungsgegenstände fungieren in diesem Zusammenhang als wichtige Stützen zur Rekonstruktion von Erlebtem. Entgegen dem Impuls zu beschönigen und zu verschleiern, legt Karwath+Todisko bewusst offen, dass ihr Großvater Mitglied der NSDAP war. Damit wirkt sie sowohl der Scham als auch dem Stigma entgegen, das bei solch einer Veröffentlichung befürchtet werden könnte. Vor allem geht es aber darum, das subjektive Erleben und die individuelle Erinnerungskultur im Bezug auf den Nationalsozialismus und die Kriegsjahre zu erörtern und gegen ein Vergessen anzukommen.

EN
Intervention, reduction, abstraction – for Karwath+Todisko, spatial parameters determine the work. In terms of subject matter, the artist is also concerned with personal relationships within her family. She deals with the actualities of life as well as interpersonal relationships and in doing so encounters patterns of behaviour whose causal connections want to be explored. By deconstructing the respective structures, the artist explores their cause and effect. In this context, Karwath+Todisko deals specifically with the lives of her parents.
The exhibition “Heritage“ (L187 Offenbach, 2020), for example, was dedicated to the relationship between the artist and her mother, whereas “Father“ (saasfee*pavillon, 2022) delves particularly into the childhood experience of her father during the Second World War as well as into the relationship with his father.
In the first step, Karwath+Todisko performs a spatial reconstruction by placing furniture from her parental home into the exhibition space. Everyday objects that become contact relics and shift what is private into the public sphere. In the second step, the titular video piece “Father“ allows an insight into the mind of her father, who has been fascinated by trains since his earliest childhood. From this fascination, he began to keep a photographic trainspotting archive, excerpts of which are presented as a slide show in the video. At the same time, segments of a conversation between the two are played as a voice-over, in which the father speaks primarily about his childhood, the war and the relationship to his own father. In the process the ambiguity of his memories is subtly revealed. Photographs and mementos function as important aids in the reconstruction of his experiences. Contrary to the impulse to sugarcoat and conceal her family‘s history, Karwath+Todisko consciously discloses that her grandfather was a member of the NSDAP (National Socialist German Workers’ Party). In doing so, she acts against both the shame and the stigma that might be feared from such a public revelation. Above all, however, her goal is to address subjective experiences and the individual forms of remembrance in relation to National Socialism and the war years, and to fight against forgetting.

Text: Lucy Nixon & Vivien Kämpf

Das Projekt Father wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Karwath+Todisko wird durch das Hessische Atelierprogramm gefördert.

Heritage (solo)

LEW1, Darmstadt, 2021

Artist in Residence

www.kultur-digitalstadt.de

Fotos: Dominik Schabel

Vergangene Woche bezog Karwath+Todisko als »Artist in Residence« des Vereins »Kultur einer Digitalstadt« die Räume des Atelierhauses LEW1 auf der Rosenhöhe in Darmstadt. Während ihres Aufenthalts arbeitet sie u.a. an der Dokumentation und der digitalen Sichtbarkeit ihres Projekts »Heritage«. Das Projekt basiert auf der Familiengeschichte der Künstlerin, deren Eltern eine Vergangenheit als Kriegskinder teilen, jedoch auf unterschiedliche Weise damit umgegangen sind. Anhand von Architekturfotografien ihres Vaters aus den 1960er Jahren nähert sie sich der Thematik an und wendet sich dabei auch der, in dieser Generation häufig vorkommenden, Vorratsanhäufung und dem Bedürfnis nach Archivierung zu.

Im Atelierfenster des LEW1 wird die Installation »Family Table« von Karwath+Todisko gezeigt. Der Esstisch aus dem Elternhaus wird in den Ausstellungskontext überführt. Es geht einerseits darum, den Passanten den Blick ins Innere des Atelierhauses zu ermöglichen, andererseits fordert Karwath+Todisko dazu auf, sich seinen eigenen aktuellen oder vergangenen »Familientisch-Assoziationen« zu stellen. Der Vater der Künstlerin verzichtet für den Zeitraum der Installation auf seinen Esstisch.

Parallel zur Residence wurde ein Film über das Projekt »Heritage« und die gleichnamige Ausstellung im L187 in Offenbach im Herbst 2020 veröffentlicht, in dem Karwath+Todisko über ihren autobiografischen Zugang zu ihrer Arbeitspraxis und ihrer Arbeit mit Identität, sowie über den Recherche- und Denkprozess hinter der Ausstellung spricht. Laufzeit 4:30 min.

Das Projekt »Heritage« wird von der Hessischen Kulturstiftung im Rahmen des Kulturförderprogramms »Hessen kulturell neu eröffnen« gefördert.
Die Artist Residence von Kultur einer Digitalstadt wird mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Darmstadt, HEAG Kulturfreunde Darmstadt GmbH und »Wir für Kunst« realisiert. Karwath+Todisko wird durch das hessische Atelierprogramm HAP hessenweit gefördert.

Heritage (solo)

L187, Offenbach am Main, 2020

Soloshow

“Suddenly a rustle and whistling, then a deafening detonation, everyone screamed and the whole basement was full of dust.”
My father about his experiences as a child around 1943.

www.l187.de


Karwath + Todisko on Heritage, 2021 at L187


Peter Wöllert (*1937), neighbour’s house, 1963, slide film print, 10 x 15 cm,


Installation view, Heritage


Karwath + Todisko, Heritage 4, 2020, inherited photography and acrylic on wood, 145 x 90 cm


Karwath + Todisko, Heritage 4, 2020, detail, inherited photography and acrylic on wood, 145 x 90 cm


Installation view, Heritage

Inna Todisko, untitled, 2001, photography, silver gelatine print on RC-Paper, inherited frame, 32 x 25 cm

Karwath + Todisko, Heritage 5, 2020, installation view, inherited photography, acrylic on wood, 145 x 90 cm

Karwath + Todisko, Heritage 5, 2020, detail, installation view, inherited photography, acrylic on wood, 145 x 90 cm (Karwath+Todisko)

Ingrid Wöllert, The Youth I,II and III, 1992, installation view, monotype, linoleum ink on paper, 21 x 20 cm

Ingrid Wöllert, The Youth I,II and III, 1992, monotype, linoleum ink on paper, 21 x 20 cm

Karwath + Todisko, Mother Lists, 2020, installation view, paper lists in display table, 160 x 80 x 75 cm

Karwath + Todisko, Mother Lists, detail, 2020, paper lists in display table, 160 x 80 x 75 cm

Inna Wöllert, Mess, 2011, photography, found frame, 23 x 17 cm

Inna Todisko, At Home, 2000, installation view, silver gelatine print on RC-Paper, 70 x 50 cm

Inna Todisko, Missed, 2006, installation view, MiniDV video, 3:58 min.

Inna Todisko, Missed, 2006, videostill, MiniDV video, 3:58 min.,

The title of the exhibition refers to the artist’s deeply autobiographical approach to her practice which is presented here as an overview of her development as an artist so far. Her conceptual practice comprises room installations, mixed media collages, moving image work and the use of documentation in the shape of found and reappropriated objects. Some of her early works have never been shown publicly before and now tie in as an intimate insight into her personal history, also illustrated through her changing artist signatures from Ingrid Wöllert to Inna Todisko to Inna Wöllert and finally to Kawarth + Todisko.

Architectural photographs taken by her father are reworked, extracted and pasted onto large scale surfaces, showing a profound connection to her roots. The video installation of her now deceased mother discusses themes of mortality, identity as well as memory.
It is accompanied by a photograph alluding to her mother’s tendency of hoarding, which stands in stark contrast to the meticulous documentation of her everyday life. The artist’s early drawings and photographs from her time at art school allow a vulnerable insight into the exploration of her own – the female – body. The works shown revisit various stages of the artist’s emotional and physical heritage which could be seen as an illustration of her search for identity both as a human being and as a creative practitioner until today.

Text by Vivien Kämpf & Lucy Rose Nixon

 

Das Projekt Heritage wird gefördert durch die

 

 

 

0+255 Bonn (group)

Künstlerforum Bonn, 2019

Gruppenausstellung mit Thomas Hawranke, Karwath+Todisko, Andrea van Reimersdahl, Maximilian Siegenbruk und Vanja Vukovic

Karwath+Todisko, Faltenwurf, 2019, Aluminium, Motoren, Maße variabel

Karwath+Todisko, Faltenwurf, 2019, Aluminium, Motoren, Maße variabel

Karwath+Todisko, Faltenwurf (Venus 1-3), 2019, Aluminium, Plankopie, Tusche, 135 x 87 cm

Karwath+Todisko, Tape Curtain Invers, 2016, Archival Ink Jet Print auf Alu-Dibond, 75 x 50 cm

 

0 ist der RGB Farbwert für die Farbe Schwarz und 255 ist der RGB Farbwert für die Farbe Weiß

Karwath+Todisko und Andrea van Reimersdahl sind eingeladen die Gruppenausstellung 0+255Bonn mit der Idee zu kuratieren, Positionen von Künstler*innen zusammenzufassen, die sich in Ihrer Arbeitsweise aus verschiedenen Gründen auf den Gebrauch der Farben Schwarz und Weiß beschränken. Der Titel der Ausstellung verweist dabei auf einen digitalen Farbraum, der schon lange für die Kunstproduktion und unseren Alltag selbstverständlich ist. Künstler*innen können seit alters ihre Sichtweise verändern und die Welt von der Farbe abstrahieren.

Schwarz und Weiß im Spannungsfeld von Zwei- und Dreidimensionalität zeigt Karwath+Todisko in der kinetischen Arbeit „Faltenwurf“. Aluminiumflächen wechseln ihre Erscheinung in der Drehbewegung von flächig zu räumlich und von hell zu dunkel. Der Faltenwurf ist hier ironischerweise eher kontrolliert–mathematisch umgesetzt, statt erwartungsgemäß zufällig–organisch. Vanja Vukovics Arbeit „This is not a love song“ verweist auf Ereignisse aus der Vergangenheit. Die Portrait-Serie zeigt Personen, die sich an ihre erste Demo erinnern. Die unterschiedlichen Erlebnisse aus verschiedenen Zeiten werden durch schwarz-weiß Fotografien in eine zeitlose Allgemeingültigkeit übertragen.
Der schwarze Hintergrund lenkt den Fokus auf den Ausdruck, der zwischen Intimität und Öffentlichkeit changiert. Durch den Verzicht auf Farbe treibt Maximilian Siegenbruk in seiner Malerei die Naturdarstellung in Richtung Abstraktion. In seiner Werkreihe „Idylle“ ermöglicht ihm das Medium Kohle eine spontane Arbeitsweise, mit der er eine chaotisch-bedrückende Erscheinung der Natur erzeugt. Thomas Hawranke ist ein Medienkünstler, der sich mit den Auswirkungen von Technologie auf die Gesellschaft beschäftigt. In der Videoarbeit „Shadows: ULTRA“ zeigt er in unterschiedlichen Einstellungen eine Überlagerung von Schatten von Tieren aus Computerspielen. Der Hell-Dunkel-Kontrast ist ein Sinnbild für andere Gegensatzpaare, wie analog und digital oder real bzw. fiktional. Wenn Schwarz und Weiß als Farben statisch sind, bedeuten Grauwerte für Andrea van Reimersdahl, Dynamik und Bewegung. Die Installation „Graumalerei“ besteht aus transparentem, textilem Material. Wie eine Membran, wird es als biaxial gespannte Flächen mit Gummiseilen in den Blick des Betrachters installiert. Die Bildfläche entfaltet sich zum räumlichen Erkunden.
Mit den Themen Mensch, Tier, Natur, Raum und Bewegung, dargestellt in Schwarz, Weiß und den unbunten Abstufungen, lädt die Ausstellung den Betrachter ein, seine visuelle Wahrnehmung zu überdenken.

 

Mit freundlicher Unterstützung von

    Metallverkaufsgesellschaft Frankfurt

 

0+255 (group)

Meinblau Projektraum, Berlin, 2019

Gruppenausstellung mit Kanako Ishii, Mareike Jacobi, Karwath+Todisko, Katja Kollowa, Christian Meyer, Virginie Mossé, Katja Pudor, Andrea van Reimersdahl, Richard Schütz, Marc Soisson

www.meinblau.de I www.nullplus255.com


Richard Schütz, Deja Vu, 2012, Marc Soisson, Ohne Titel, 2019, Mareike Jacobi, Schiebepuzzle, 2019, Katja Kollowa, Katja dreht durch 1-3, 2019, Andrea van Reimersdahl, Cliffhanger 2019

Karwath+Todisko, Es trifft die Besten, 2019, lackiertes Stahlrohr, Ton 6000 Hz, 156 x 3,5 x 3,5 cm

Karwath+Todisko, Frequenz No. 1, 2019, Bleistift auf Papier, 41,7 x 29,3 cm

0 ist der RGB Farbwert für die Farbe Schwarz und 255 ist der RGB Farbwert für die Farbe Weiß

Die Gruppenausstellung 0+255 wird von Andrea van Reimersdahl mit der Idee kuratiert Positionen Berliner Künstler zusammenzufassen, die sich in Ihrer Arbeitsweise aus verschiedenen Gründen auf den Gebrauch der Farben Schwarz und Weiß beschränken. Der Titel der Ausstellung verweist dabei auf einen digitalen Farbraum, der schon lange für die Kunstproduktion und unseren Alltag selbstverständlich ist. Künstler können seit alters ihre Sichtweise verändern und die Welt von der Farbe abstrahieren. Um die Intention eines künstlerischen Werkes bestmöglich heraus zu arbeiten, kann Farbigkeit unnötig oder ablenkend sein. 0+255 soll in diesem Sinne abstrakte und gegenständliche Positionen zeigen, die sich auf unbunte Abstufungen begrenzen und damit eine prägnante und entschlossene Aussage machen. 10 Künstler mit inhaltlich unterschiedlichen Schwerpunkten werden eingeladen, ihre Arbeiten in extremer Gegensätzlichkeit zu präsentieren. Dabei kann das Grau eine Vermittlerrolle übernehmen. Die Ansätze der Positionen sind verschieden. Ästhetisch, formal, konzeptuell, diskursiv oder intuitiv. Wir stellen die Frage, in wie weit eine Ausstellung, die sich auf starke Kontraste reduziert, gegenwärtige Entwicklungen in Politik und Gesellschaft reflektiert. Es stehen sich immer häufiger extreme Positionen gegenüber und Grauzonen scheinen zu verschwinden. Das Ziel der Ausstellung ist, aktuelle Wege der schwarz-weißen Kunst aufzuzeigen und den Betrachter einzuladen seine eigene Wahrnehmung neu zu überdenken.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur, der Hans und Chalotte Krull Stiftung und durch die Botschaft des Großherzogtums Luxemburg in Deutschland.