Eine Sache (group)

Florens Cargo, Darmstadt 2018

Gruppenausstellung mit Béla Feldberg, Daniel Voigt, Deborah Neulich, Dominik Manch, Kilian Paterson, Louis Felipe Baca Velasquez, Lisa Ingrid Nürnberger, Peter Wolf, Simon Heinrich

Kuratiert von Louis Felipe Baca Velasquez, Moritz Fischer, Jan Läkemäker

www.florenscargo.eu


Can You Hear Me, Modelliermasse, Farbe, Menschenhaar, Stoff, Licht, 2018

Gemina (group)

Associazione Culturale C.AR.M.E., Brescia 2018

Gruppenausstellung mit José Antonio Olarte, Anna Madia

www.carmebrescia.it

SLIGHT#2, 2018, Ventilatoren, PE-Folien, Relais


BLACK VIDEO, 2018, video still

 

Poesie des Immateriellen

von Julia Reichelt, M.A.
Kunstforum der TU Darmstadt

Sound – Folie – Ventilatoren, mehr braucht es nicht, um einen erzählerischen Raum zu schaffen. Die Künstlerin Karwath+Todisko führt uns mit der Installation Slight#2 sinnbildlich vor Augen, wie mit minimalen Mitteln eine maximale Wirkung erzielt werden kann: Sie abstrahiert den Raum mit künstlerischen Mitteln, verdichtet seine Atmosphäre, schenkt ihn dem Betrachter poetisch aufgeladen zurück.

In ihrer Arbeit experimentiert sie mit markanten Raumsituationen, vereinnahmt die jeweilige Umgebung und holt aus ihr die größtmögliche Wirkung heraus. „Ich kann den Raum nicht in Ruhe lassen“ sagt die Künstlerin. Hängt ihre Werke ungern an die Wand, interveniert lieber direkt. „Ich arbeite mit Räumen, ich kann nicht anders.“ So wie bei ihrer Arbeit Golden#1 (2014), einer performativen Installation im ehemaligen Darmstädter Atomschutzbunker mit seiner beklemmenden Ausstrahlung.
Zu bedrohlichem Sound schweben goldschimmernde Objekte aus metallisierter Kunststofffolie in einer der ehemaligen Schutzkammern. Ein junger Mann schneidet ruhig und konzentriert an den sinkenden Objekten ein Stück der Folie ab, dann schweben sie wieder empor. Atmosphärisch dicht ist Golden#1 und die leichten, sich langsam bewegenden Folien kontrastieren die raue, düstere Schwere des Raums.

„Gib mir einen Raum und ich konzipiere eine Arbeit.“ sagt die Künstlerin, die 1973 in Darmstadt geboren wurde. An der Weißensee Kunsthochschule Berlin studierte sie Bühnenbild und Bildhauerei. Bereits während des Studiums entstehen viele Installationen sowie partizipatorische Projekte und Stückentwicklungen, bei denen sie als Bühnenbildnerin beteiligt ist. Im Jahr 2006 erfolgt die Ernennung zur Meisterschülerin von Roland Schimmelpfennig, dem meistgespielten zeitgenössischen deutschen Theaterautor. Seither schafft sie Installationen, parallel dazu entstehen Theaterräume am Schauspiel Leipzig, am Theater Oberhausen, am Mousonturm Frankfurt, an der Opéra National du Rhin in Straßburg.

Ein Projekt in Berlin sorgt für ihre künstlerische Initialzündigung:
Die Erkenntnis, dass der Raum und nicht ihre fertige künstlerische Arbeit zu Beginn stehen muss. Ein verlassenes Bürogebäude in Berlin mit sehr langen Gängen, die den Menschen am Ende des Flures kaum noch erkennen lassen, inspiriert sie zu einer kriminologischen Arbeit, bei der sie über einen Audioguide erst akustisch, dann in persona die Besucher verfolgt: persuer (1999). Auch die aufwendige Installation pandora/box (2002) ist eine erzählerische, intervenierende Arbeit, bei der sie die Sensibilität durch subtil beunruhigende und ambivalente Elemente schärft, ganz so, wie dies auch in den multimedialen Inszenierungen des kanadische Künstlerpaars Janet Cardiff und George Bures Miller geschieht.

„Was muss ich hinzufügen, um die Raumwirkung zu verstärken und die Aufmerksamkeit zu schärfen?“ fragt sie sich zu Beginn des kreativen Prozesses.
Für GEMINA bespielt sie den Hauptraum der im 12. Jahrhundert entstandenen, in den folgenden Zeiten vielfach umgebauten Kirche Santi Filippo e Giacomo in Brescia. Jetzt Ausstellungsraum betört die noch immer erkennbare sakrale Architektur mit ihrer Höhe und Leichtigkeit. Slight#2 entsteht für diese spezielle architektonische Situation. „Es muss leicht aussehen!“ hatte sich die Künstlerin im Vorfeld notiert.

Aus zwölfeinhalb Metern Höhe hängen zwei weiße Folien auf den Boden herab. Zart, flüchtig bewegen sie sich durch die Luftströme der sich unter ihnen befindenden Ventilatoren. Zu einem nicht definierbaren grollenden, wogenden Sound bauschen die Folien auf, werden zum Assoziationsraum. Sie stimulieren die Fantasie, lassen Formen erahnen, die an etwas Lebendiges, Geheimnisvolles, nicht näher Greifbares denken lassen. Durch das An- und Ausgehen der Ventilatoren bewegen sich die Stoffe, ergibt sich etwas Pulsierendes, ein Wechsel von Spannung und Entspannung.
Slight#2 ist eine Adaption von Slight#1, die für die Ausstellung Slight Show (Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin 2016) entstand. Neben der Thematik des verhüllenden Vorhangs, ist hier bereits das Herstellen natürlicher oder hergestellter Luftzüge ein werkimmanentes Thema. Wie kann ich physikalische Phänomene für meine künstlerische Arbeit nutzten? Dieser Frage geht Karwath+Todisko nach.
Wind, Luft Elektrizität, physikalische Phänomene interessieren sie. Die Freude an vermeintlich Alltäglichem, wie das Flattern von Malerfolie an einem Baugerüst im Wind, die am Anfang von Slight#1 steht, oder Lichter, die hinter einem Vorhang vorbeiziehen. „Zufällige Lichtreflexionen machen mich glücklich.“
Es sind die fundamentalen Dinge, die sie aufspürt und abstrahiert: das Licht, die Reflexionen des Lichts, die Luft, die Luftzüge. In der monumentalen, raumfüllenden Installation Slight#2 provoziert sie durch die Ventilatoren eine künstliche Thermik, die gemeinsam mit dem nicht zu verortenden Sound und den Folien ein Raumkunstwerk schafft, dessen Wirkung man sich nicht entziehen kann.

Weich wogend steht Slight#2 im Kontrast zu den geometrisch abgezirkelten Formen des Black Video (2018). Noch reduzierter als diese Installation ist Black Video ein Verwirrspiel über Dreidimensionalität. Es resultiert aus der Serie Black, die 2017 für den saasfee* Pavillon Frankfurt entstand. Ausgehend von der charakteristischen Architektur dieses Pavillons mit seiner quadratischen Grundstruktur und seinen quadratischen Fensterrahmen, nimmt Karwath+Todisko diese Formen auf, baut die Gitterstruktur als dreidimensionales Objekt nach und filmt in Black Video die Schattenzeichnung davon. Durch die abgefilmte Raumsituation entsteht eine graphische Arbeit, bei der die Grenzen zwischen Zwei- und Dreidimensionalem verschwimmen. Die Schattenzeichnung macht aus der gebauten Gitterkonstruktion ein zweidimensionales Objekt. Der Betrachter kann nicht mehr eindeutig erkennen, was er eigentlich sieht. Was entsteht sind seltsame Architekturassoziationen und die Frage: Was ist Objekt, was ist Schatten? Das leicht klirrende Rattern des Sounds erinnert an die Projektion eines Diaprojektors, bildet einen spannungsreichen Kontrast zu dem weicheren Sound von Slight#2.

Auch beim Sound arbeitet Karwath+Todisko inzwischen assoziativer: die summende Menschenstimme, die den Hintergrund für Slight#2 bildet, ist nicht mehr erkennbar. „Ich lasse mehr offene Enden als früher.“ Sie erzählt immer noch Geschichten mit ihren Arbeiten – sie werden nur reduzierter, subtiler, sind weniger fassbar. Ihre künstlerische Entwicklung geht ins Raumerleben mit immer abstrahierteren Mitteln.
So erschafft sie eine Poesie des Immateriellen.

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der Wissenschaftsstadt Darmstadt

HLR LICHTENBERG1 (in situ)

Technische Universität Darmstadt, 2018

Kunst am Bau, Lichtinstallation an der Fassade des Hochleistungsrechners der Technischen Universität Darmstadt, Campus Lichtwiese
Pixelfont von Lucas de Groot

Foto + Video: Moritz Bernoully
Campus Lichtwiese
Gebäude L5|08

Günter-Behnisch-Straße 4
64287 Darmstadt

Das Gebäude L5|08 auf dem Campus Lichtwiese beherbergt seit 2013 den Lichtenberg-Hochleistungsrechner der Technischen Universität Darmstadt, der fast eine ganze Etage des Bauwerks füllt. Die Lichtinstallation an der Fassade des Gebäudes steht sinnbildlich für die Rechenprozesse, die im Inneren des Gebäudes ablaufen. Deren Grundlage bilden Binärcodes. Mittels Binärcode können auch Informationen auf eine Fläche, bestehend aus einzelnen Leuchtelementen, übertragen werden.

Der Titel der Installation bezieht sich auf den Namensgeber des Hochleistungsrechners, Georg Christoph Lichtenberg, der 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt geboren wurde, in Darmstadt zur Schule ging und in Göttingen studierte, forschte und lehrte. Lichtenberg ist heute vor allem für seine schriftstellerischen Arbeiten bekannt. In sogenannte „Sudelbücher“ notierte er ein umfangreiches aphoristisches Werk, das ihn als vielseitig interessierten und ironisch-humorvollen Menschen zeigt. Viele Gedanken Lichtenbergs lesen sich erstaunlich aktuell. Für die Texte, die auf der Lichtinstallation „HLR Lichtenberg1“ erscheinen, wurden vor allem Gedanken über Lehre, Forschung und das universitäre Leben ausgewählt; aber auch dem pointierten Witz und dem Absurden wird Beachtung geschenkt. Die an den heutigen Sprachgebrauch angepassten und teilweise fragmentierten Sätze füllen einen Tag.

In Lichtenbergs Schriften findet sich ein erstaunlicher Gedanke, der sich zumindest als Vorahnung des Internets und seiner Möglichkeiten der grenzenlosen, nicht an physische Medien gebundenen Kommunikation begreifen lässt. Diese Vision macht für Karwath+Todisko einen Teil des Reizes aus, die mehr als 200 Jahre alten Schriften in einen zeitgenössischen Kontext zu stellen, wie es nun mit dem Kunstwerk geschieht: „Was mich allein angeht denke ich nur, was meine guten Freunde angeht sage ich ihnen, was nur ein kleines Publikum bekümmern kann schreibe ich, und was die Welt wissen soll wird gedruckt. […] Wäre es möglich auf irgend eine andere Art mit ihr zu sprechen, daß das Zurücknehmen noch mehr stattfände, so wäre es gewiß dem Druck vorzuziehen.“
(Lichtenberg, Georg Christoph, Sudelbücher l, Heft B [272], Promies, Wolfgang (Hrsg.), München 1968. Schreibung nach der Quelle.)

Die Installation an der Ostfassade des Gebäudes besteht aus 96 einzelnen Leuchtelementen, die in einem Raster (12 x 8 Elemente) angeordnet eine große Leuchtfläche bilden. Auf diesem Raster werden Lichtenbergs Gedanken als 8-stelliger Binärcode angezeigt. Im Wechsel mit diesem nicht direkt lesbaren Code erscheint der Text auch als lesbare, laufende Pixelschrift. Der dafür verwendete Pixelfont ist in Zusammenarbeit mit dem renommierten niederländischen Schriftengestalter Lucas de Groot entstanden, der unter anderem auch den Font „Calibri“ schuf.

Silke Paradowski, TU Darmstadt

ATTENTION ON INTERESTS OF 4 SUBJECTS (group)

Basis Projektraum, Frankfurt 2017

Gruppenausstellung mit Markus Heller, Annabella Spielmannleitner und Vanja Vukovic

www.basis-frankfurt.de  |  www.basis-frankfurt.de/de/offener-projektraum

family curtain#2 l Stoff, Holz, Metall, Licht l 250 x 155 x 165 cm

Du wirst nie erfahren, ob ich das Blatt berührt habe! Gregor l weißes Papier, 130 g, 29,7 x 21 cm

Ich zeige dort einen Vorhang aus meinem Elternhaus, mit dem ich schon öfter gearbeitet oder den ich als Hintergrund für Videoarbeiten benutzt habe. Wenn man die Dinge aus meinem Elternhaus als Berührungsreliquien sieht, dann ist es genau das, was ich da noch hinzufügen möchte: eine weitere Berührungsreliquie.

Ich würde gerne ein DIN A4-Blatt (gerahmt) hinzufügen, das ein Künstler angefasst hat, der Anteil an der Initialzündung meines künstlerischen Schaffens hat. Ich bitte Dich, das leere DIN A4 Blatt, das ich Dir zusende in den frankierten Briefumschlag zu stecken und an mich zurück zuschicken.

 

 

MODEST MONUMENTS

saasfee*pavillon, Frankfurt 2017

Andrea van Reimersdahl  l  Karwath+Todisko

Karwath+Todisko | BLACK | Holzleisten, Scheinwerfer, Relais, Papier, Maße variabel

Karwath+Todisko | BLACK | Holzleisten, Scheinwerfer, Relais, Papier, Maße variabel

Karwath+Todisko | BLACK | Holzleisten, Scheinwerfer, Relais, Papier, Maße variabel

Karwath+Todisko | White Tie | Stahl, Pulverbeschichtung, Wandfarbe Tribute to Vinyl, 123 cm x 130 cm x 40 cm

 Karwath+Todisko | Black Painting | Andrea van Reimersdahl | 1g 3s 4w

Andrea van Reimersdahl | ad hoc (zu diesem)

Andrea van Reimersdahl | ad hoc (zu diesem) | Karwath+Todisko | Black Drawing

Karwath+Todisko | SLIGHT | Ventilatoren, PE-Folien, Relais, Maße variabel

Fotos: Moritz Bernoully

Modest Monuments ist die zweite gemeinsame Ausstellung von Karwath+Todisko und Andrea van Reimersdahl. In 2016 bespielten sie die Kunsthalle am Hamburger Platz nahe der Weissensee Kunsthochschule Berlin, wo sich ihre Wege im Studium kreuzten.

Im saasfee*pavillon in Frankfurt treffen ihre Arbeiten erneut aufeinander und verdichten sich zu einem neuen Raum, der von Vergänglichkeit und Transformation, Leichtigkeit und Bewegung zeugt. Immaterielles und Flüchtiges wird visuell erfahrbar gemacht. Die Ausgangspositionen der Künstlerinnen sind der Raum und die Zeichnung.

www.andreavanreimersdahl.com  l  www.todisko.com  |  www.saasfee.de

Die Ausstellung Modest Monuments wird gefördert durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Der saasfee*pavillon wird u.a. durch die Hessische Kulturstiftung gefördert.

VICE VERSA

Designhaus Darmstadt 2017

Gruppenausstellung der Lehrbeauftragten des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt

Documentary – Mapping Susan – Golden | Fotoprint auf Alu-Dibond, 110 x 140 cm

Foto: Stefan Bayer

 

SLIGHT SHOW

Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin 2016

Andrea van Reimersdahl  l  Karwath+Todisko

slight-showl_karwathtodiskoKarwath+Todisko | TAPE CURTAIN INVERS
Folien, Scheinwerfer, Relais, Motoren, Sound | 340 cm x 600 cm x 450 cm

04_slight-show_van-reimersdahl_karwathtodiskoAndrea van Reimersdahl |  Um den Morast zu umgehen, gingen wir in Richtung Osten | Karwath+Todisko | TAPE CURTAIN INVERS

SlightShow-Ansichrt_SW Seite_siteAndrea van Reimersdahl | Um den Morast zu umgehen, gingen wir in Richtung Osten | Karwath+Todisko | SLIGHT

SlightShow_Slight_karwath-todisko_siteKarwath+Todisko | SLIGHT | Folien, Ventilatoren, Relais, 340 cm x 600 cm x 110 cm

SlightShow-Slight+Model_site
Karwath+Todisko | SLIGHT | Andrea van Reimersdahl | Ivonne Dippmann | Escapes

Fotos: Annette Hauschildt

Andrea van Reimersdahl und Karwath+Todisko sind Absolventinnen der Weissensee Kunsthochschule Berlin. Ende der 90er Jahre kreuzten sich hier ihre Wege. Es entstanden unabhängige und doch verbundene Arbeiten, in denen der jeweils Andere erschien. Seitdem blieb ein begleitendes, gegenseitiges Interesse  bestehen.
Aktuell schaffen die Künstlerinnen Arbeiten, die Material, Raum und Betrachter zueinander in Bezug setzen. Sie beschäftigen sich in Ihren Werken auf unterschiedliche Weise mit den Themen Vergänglichkeit und Leichtigkeit. Ihre Ausgangspositionen sind verschieden: der Raum und die Zeichnung. In der Kunsthalle am Hamburger Platz treffen die Arbeiten mit ihren thematischen Überschneidungen aufeinander und entfalten eine neue Präsenz.

www.van-reimersdahl.com  l  www.todisko.de  l  www.kunsthalle.kunsthochschule-berlin.de

Die Ausstellung SLIGHT SHOW inklusive Katalog wird gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur, sowie durch die Mart Stam Gesellschaft, Förderverein der weissensee kunsthochschule berlin. Die Kunsthalle am Hamburger Platz wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der weissensee kunsthoch­schule berlin, sowie der Gesobau.

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